Ein starkes Zeichen für nachhaltige Mobilität
300 Teilnehmer*innen war das Wunschziel, über 400 sind es geworden: Der Parade für saubere Luft war ein voller Erfolg - und ein starkes Zeichen an die Stadt Graz für eine Trendwende in der Verkehrspolitik.

"Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Luft versaut!"
"Was hilft gegen Lärm und Stau? Radwege und Bim-Ausbau!"
"Platz für Menschen statt für Autos!"

Laut, bunt und kreativ zogen die 400 Teilnehmer*innen vom Griesplatz über den Joanneumring zur Oper. Dort, wo sonst nur Autos zu sehen sind, waren plötzlich Menschen zu Fuß, mit Fahrrädern, Lastenrädern und Gehzeugen unterwegs. Kinder konnten sich unbeschwert bewegen, Passant*innen zückten ihre Handys und machten Fotos. Vorm Eisernen Tor machte die Parade Halt, um den Straßenbahn-Verkehr nicht unnötig zu blockieren.

Die Redner*innen forderten nicht weniger als eine Trendwende in der Grazer Verkehrspolitik. Moderator Florian Supé wünschte sich mehr Weitblick vom Bürgermeister: "Sie haben so viele Visionen für Graz, Sie möchten dieser Stadt so gerne mit einem aufsehenerregenden Projekt Ihren Stempel aufdrücken. Das ist die Gelegenheit, eine Vorreiterrolle für Klimagerechtigkeit und eine zukunftsfähige, nachhaltige Stadt einzunehmen!"

Leonie Groihofer von "System Change, not Climate Change" verglich den Wert sauberer Luft mit sauberem Wasser: "Stellt euch vor, das Wasser, das aus dem Wasserhahn kommt, wäre so dreckig, dass Kinder davon krank würden. Stellt euch vor, dass dieses Problem seit Jahrzehnten bekannt ist. Und das vonseiten der Politik dazu nur gesagt wird: Aufgrund der geographischen Lage hat Graz halt einfach so dreckiges Wasser." Genau so sei es mit der Luft in Graz.

Mobilitätsforscher Karl Reiter hob hervor, dass über 90% der Flächen für ruhenden Verkehr für Autos genutzt, gleichzeitig aber Fußgänger*innen und Radfahrer*innen auf engstem Raum zusammengepfercht würden, und für Grünflächen oder Wohnstraßen kein Platz sei: "Würden wir als Start nur 5% der Kfz-Stellflächen für höherwertige Nutzung umwandeln – wir hätten ein wunderbares Fuß- und Radwegenetz, Platz für Kinder und für Aufenthalt und Kommunikation."

Christian Kozina, Autor des neuen Grazer Mobilitätskonzepts, zeigte auf, was mit politischem Willen alles möglich wäre: "In Deutschland, in Holland, in Dänemark, in Spanien, in Portugal, auch in unserem Nachbarland Slowenien - überall trauen sich Politiker*innen, eine aktive Verkehrspolitik zu betreiben und den Autoverkehr zu reduzieren." Er forderte daher auch für Graz eine klare Prioritätensetzung: "Straßen und Plätze sollen 1. für Fußgänger*innen, 2. für Radfahrer*innen, 3. für den öffentlichen Verkehr, und 4. - der verbleibende Rest - für den Autoverkehr zur Verfügung gestellt werden."

Florian Supé stellte abschließend klar: "Wir werden keine Ruhe geben nach dem heutigen Tag, wir werden nach dieser Parade nicht die Füße hochlegen und warten, was passiert. Wir werden unbequem bleiben, wir werden Aktionen starten, wir werden uns einmischen und Gehör verschaffen!"

Wer sich beteiligen will, kann die Petition unterschreiben oder sich zum Mitmachen eintragen.

Fotos der Parade findet ihr auf unserer Facebook-Seite. Pressefotos in hoher Auflösung gibt's auf Anfrage!

Foto: Sascha Pseiner